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Husziten Krieg, Theobald Zacharias, Erstausgabe, anno 1609
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Husziten Krieg, Theobald Zacharias, Erstausgabe, anno 1609 Titel: Husziten Krieg : Darinnen begriffen, Das Leben, die Lehr vnd Tod, M. Johannis Hussij, vnd wie derselbige von den Bo?hmen, besonders Johanne Zißka vnd Procopio Raso, ist gerochen worden ; Alles aus glaubwirdigen Geschichtschreibern, alten Monumenten und manuscriptis, mit fleiß zusammen getragen, vnd ... in o?ffentlichen Druck verfertiget Verfasser: Zacharias Theobald Verlag: Wittemberg : Selfisch : (Seuberlich), 1609. 8°, 19x15 cm., gering gebräunt, 430 S., IV, orig. Pergamenteinband, vom Einband gelöst, siehe Bilder. SELTENE ERSTAUSGABE, mit den ganzseitigen Portraits von Jan Hus, Hieronimus von Prag und Jan Ziska. ADB:Theobald, Zacharias (Historiker) Band 37 (1894), S. 682–684 (Quelle). Theobald: Zacharias Th., Geschichtschreiber und Theologe, wurde am 29. März 1584 zu Schlackenwald in Böhmen als Sohn protestantischer Eltern (bemittelter Bergleute?) geboren und starb 1627 als Pfarrer zu Krafthof bei Nürnberg. Er studirte, nachdem er unbekannt wo Unterricht genossen, in Wittenberg, wo er schon 1604 das Magisterium erlangte. Schon damals und in den folgenden Jahren nahmen neben den theologischen Berufsstudien sein Interesse Naturforschung und Geschichte in Anspruch, zu welch’ letzterer freilich die Begeisterung für die Entwicklung der lutherischen Kirche, deren Grundlagen er mit patriotischer Freude bereits in den Lehrmeinungen seiner berühmten Landsleute Joh. Hus und Mag. Hieronymus gelegt fand, von selbst hinleitete. Die Lectüre der Schriften des Johannes Hus und seiner Proceßacten nährte in ihm die Ueberzeugung, wie „unbillig und unchristlich“ man in Konstanz mit Hus und Hieronymus verfahren, und weckte den Vorsatz, dies noch besonders öffentlich darzuthun, weshalb er zunächst mit der Sammlung des Stoffes und Durchforschung der Arbeiten seiner zeitlich näher stehenden Landsleute (Dubravius, Hajek, Lupa? u. A.) begann. Wichtiger war, daß er als Reisebegleiter einiger junger Adeligen, welche, um czechisch zu lernen, sich in verschiedenen Orten Böhmens aufhielten, mit Erfolg die Gelegenheit wahrnahm, auch noch neues Material zu sammeln, wobei namentlich die in Taus aufbewahrte Bibliothek des M. Prok. Lupa? reiche Ausbeute bot. Dies eiferte ihn an, hinterher, um „ja nichts zu unterlassen“, die vornehmsten böhmischen Städte noch besonders zu besuchen und überall behufs Erlangung gedruckter und ungedruckter Quellen für sein Werk mit Pfarrern, Lehrern und Stadtschreibern in Verbindung zu treten. So brachte Th. ein weitläufiges Material zusammen, das er freilich nicht nur zur Darstellung der Lehre und Geschicke des J. Hus seit 1401, sondern einer Erzählung des großen Hussitenkrieges bis zur Einführung K. Sigmund’s ins Land (1436) verwerthete. Das Buch, in 85 Capitel getheilt, erschien im J. 1609 in Wittenberg in 4° und führte den Titel „Hussitenkrieg, darinnen begriffen das Leben, die Lehre und Tod M. Johannis Hussij und wie derselbige von den Böhmen u. s. w. ist gerochen worden, alles aus glaubwürdigen Geschichtschreibern, alten Monumenten und Manuscripten mit Fleiß zusammengetragen“ u. s. w. Es war dem Grafen Joachim Schlick von Bassano und Weißenkirchen, Herrn zu Swijan in Böhmen, dem energischen Führer der protestantischen Action, die 1609 zur Erlangung des Majestätsbriefes seitens K. Rudolph II. geführt, gewidmet. Im J. 1621 erschien eine neue Ausgabe mit Verbesserungen und um drei Bücher vermehrt, ebendort, andere (deutsch oder lateinisch, letztere nach Balbin von Theobald’s Sohn besorgt [?]) ebendort 1640, in Breslau 1750, bei Freher, dann in Frankfurt 1625, bes. von Jak. Pontanus von Heidelberg. So gerade und ehrenwerth Theobald’s Sinn und Streben ist, so groß sein Fleiß und seine Gelehrsamkeit, – er ist auch in Cicero und den gewöhnlichen Classikern wohl zu Hause und hat an Quellen mehr benutzt, als er angibt (freilich auch den Fabulisten und Fanatiker Dalemil) –: sein Standpunkt ist ein einseitiger und [683] seine Methode ungenügend, so daß die Angaben des Buches nur unter steter Prüfung zu benützen sind. Wo Th. sich zur Zeit der Abfassung dieses seines bedeutendsten Werkes aufhielt und womit er seinen Unterhalt bestritt, ist nicht sichergestellt. Nach Böhmen riefen ihn, scheint es, erst wieder die stürmischen Ereignisse, die sich an den Prager Fenstersturz anschlossen. Wir finden Th. als Feldcaplan im Heere Mansfeld’s, das Pilsen belagerte und gewann. Mit ganzem Feuereifer hatte er sich der Bewegung gegen das Haus Habsburg angeschlossen, und war er bemüht, die Soldaten zur Ausdauer und Tapferkeit zu ermuthigen. Ein Zeugniß dafür liegt in der „Concio bellica in castris ad urbem Pilsnam habita teutonico sermone, cum quo gloria urbis Pilsnae die praesentationis Mariae iniit“, 1619, vor. Aber Theobald’s Gesundheit war den Anstrengungen und Aufregungen des Kriegslebens nicht gewachsen. Vielleicht nahm er auch an der Wahl des Pfälzers zum König von Böhmen und dessen Vorliebe für den Calvinismus Anstoß. Thatsache ist, daß die bis 1620 fortgesetzte dritte Auflage der „Series genealogica et chronologica judicum, ducum et regum Bohemiae“, Augsburg 1620, (erste Auflage Wittenberg 1612, zweite ebendort 1617) als fünften König aus der neuerlichen Habsburgerreihe (seit Ferdinand I.) an richtiger Stelle Ferdinand II. bezeichnet und dessen Krönung vom 29. Juni 1617 anmerkt, während die Wahl und Krönung des Gegenkönigs Friedrich V. (von der Pfalz) als Ergebniß „eines erschröcklichen und schädlichen schisma und confusion“ erscheinen könnte. Th., der außer der Series, einer sehr dürftigen und fehlerhaften Zusammenstellung, die manche absonderliche Neuaufstellungen enthält und von Theobald’s Kenntniß der früheren böhmischen Geschichte keine günstige Meinung zu erwecken vermag, bereits auch eine „Chronologica Bohemiae ecclesiae adumbratio“, Wittenbergae 1611, und eine „Topographica Regni Bohemiae descriptio“, Wittenbergae 1612, auch als Anhang zur „Series“ gedruckt, beide ohne größeren Werth, verfaßt hatte, hielt sich seit 1620 in Nürnberg auf, wo er sich durch sein ernstes Streben, seine ehrenfeste Art und Haltung rasch einflußreiche Freunde erwarb. Ihnen verdankte er die Uebertragung der Pastorstelle in dem zu Nürnberg gehörigen Dorfe Krafthof. So eifrig und hingebend er seine Amtspflichten versah, so fleißig nutzte er seine Zeit für neue historische und andere Studien aus. Wir verdanken Th. ferner die Schrift: „Bericht, was Jammer und Elend die alten Widertäuffer gestiftet und was von den Weigelianern, Rosencranzern und Pansophisten zu halten“ und die „Dehortatio de veteribus anabaptistis et recentioribus fanaticis“, während eine (verlorene) Geschichte des Bergbaues in Joachimsthal wohl noch der früheren Epoche, der böhmischen Geschichte gewidmet, angehörte. Von anderer Art sind das „Kinderbüchlein in kurzen Fragen von den vornehmsten Festen im Jahr“ und die „Bedenken, was von dem Beyfall in Bamberg zu halten“. Dem Gebiete der Philosophie und Naturgeschichte gehören an: „Paraphrasis in libros Aristotelis de prima philosophia“ und die „Arcana naturae, d. i. Sonderlich Geheimniß der Natur aus glaubwürdigen Autoren und Erfahrungen zusammengetragen“ mit einigen für Böhmens Naturkunde bemerkenswerthen Nachrichten, auch letztere schon früher entstanden. Aber die doppelten Anstrengungen untergruben Theobald’s Gesundheit immer mehr. Eine hartnäckige Heiserkeit, das Folgeübel eines tieferen (Lungen-)Leidens, erschwerte ihm allmählich sein Amt so sehr, daß er an Resignation dachte. Da erhielt er einen Ruf als Professor der Mathematik an der Altdorfer Universität. Aber noch war Th. mit der Uebersiedelung dorthin beschäftigt, als ihn, 43 Jahre alt, der Tod traf. Sein oben erwähnter Sohn, Z. Th. junior, ist außer durch die berührte Uebersetzung und eine Ausgabe von C. Bruschius’ „Beschreibung des Fichtelberges“ [684] noch als Verfasser einer „Dissertatio de habitu minerali, quem metallici den Schwaden vocant“, Nürnberg in 4°, bekannt. Vgl. Z. Theobald’s eigene Schriften. – Zedler’s Univ.-Lexikon, Halle-Leipzig, XLIII, 661. – F. L. Rieger, Slovník nau?ný 9, Prag 1872, S. 386. – C. v. Wurzbach, Biograph. Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, 44, Wien 1882, S. 205–207.
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