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Baierns Kirchen-u.Volks-Zustände im 16 Jhrh. Sugenheim, 1842
[2300]

Baierns Kirchen-u.Volks-Zustände im 16 Jhrh. Sugenheim, 1842 Baierns Kirchen- und Volks-Zustände im sechszehnten Jahrhundert. Nach handschriftlichen und gedruckten Quellen geschildert. Gießen, Georg Friedrich Heyer, 1842. XLVIII, 591 S. 8° (22 x 14 cm). Orig. Pappeinbd., etwas berieben und bestossen. Gering stockfleckig. Baierns Kirchen- und Volks-Zustände seit dem Anfange des sechszehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts, Band I (alles Erschienene). ADB:Sugenheim, Samuel Band 37 (1894), S. 136–138. (Quelle) "Sugenheim: Samuel S. wurde am 8. Mai 1811 als Sohn eines israelitischen Handelsmannes in Frankfurt a. M. geboren. Das in frühester Jugend von schweren körperlichen Leiden heimgesuchte Kind wurde von den [137] Eltern zum Kaufmann bestimmt, um dereinst das väterliche Geschäft weiter zu führen. Er besuchte bis zum 13. Lebensjahre eine gute Schule, nahm aber von da ab keinerlei Unterricht mehr. Auch den heiß ersehnten Besuch einer Universität durften ihm die Eltern seines schwächlichen Körperzustandes wegen nicht gestatten. So verdankte S. all sein umfassendes Wissen auf allen Gebieten, seine erstaunliche Belesenheit lediglich dem Selbstunterricht. Amt und Würden – sehr gegen seinen Willen legte man ihm häufig, sogar auf dem Titel seiner letzten Schrift, den Doctor- und Professortitel bei – hat er nie erstrebt, besonders eine amtliche Anstellung hat er stets entschieden abgelehnt. In dem politischen Leben seiner Vaterstadt trat er nur mit einzelnen Flugblättern hervor, mit denen er am Anfange der 50er Jahre in die Frankfurter Verfassungskämpfe in viel beachteter Weise eingriff. Er lebte einfach und zurückgezogen, in den glücklichsten Familienverhältnissen, bis zu seinem am 15. März 1877 in Frankfurt a. M. erfolgten Tode. – Das Gebiet, dem S. seine schriftstellerische Kraft fast ausschließlich widmete, war das der Geschichte. Seine Hauptwerke, deren Inhalt und Tendenz, die der Verfasser in seinen reichhaltigen Vorreden stets scharf betonte, sollen in Folgendem kurz aufgeführt werden; eine Aufzählung seiner zahlreichen einzelnen Aufsätze und Arbeiten für Zeitungen und Zeitschriften darf unterbleiben. Seine ersten größeren Schriften entstanden unter dem Eindruck der Erhebung des katholischen Clerus gegen die Staatsgewalt in den 30er Jahren. Als eifriger Bekämpfer des römischen Clerus suchte er dessen verderblichen Einfluß auf das deutsche Mittelalter nach den verschiedenen Richtungen hin ans Licht zu ziehen, und wies mit seinen aus diesem Studium gewonnenen Argumenten die neuerdings erhobenen Ansprüche der Geistlichkeit als unberechtigt, als verderblich für das gesammte Volks und Staatsleben zurück. So schrieb er 1839 sein erstes größeres Werk, „Staatsleben des Clerus im Mittelalter" (Berlin, Reimer, erster Band, aber nicht mehr erschienen), eine von der neueren Forschung völlig überholte Arbeit, die an starken Uebertreibungen in der Schiderung der mittelalterlichen, besonders kirchlichen Mißstände leidet. 1842 folgte der erste Band eines größeren Werkes , „Baierns Kirchen- und Volkszustände seit dem Anfange des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts“; ein weiterer Band ist nicht erschienen. Das Buch enthält eine eingehende Darstellung des Lebens und Treibens des bairischen Clerus in der Reformationszeit, die an denselben Uebertreibungen leidet wie das Erstlingswerk; der Verfasser läßt dabei auch vielfach grelle Streiflichter auf Baierns moderne Zustände unter Ludwig I. fallen. Die als Sonderabdruck unter dem Titel „Preußisch-Bayerisch-Kirchliches der Gegenwart“ verbreitete Vorrede des Werkes verwickelte den Verfasser in scharfe Auseinandersetzungen mit dem bairischen Ministerium Abel, gegen dessen Thätigkeit in ultramontaner Richtung jene Vorrede hauptsächlich gerichtet war. 1845 erschien der erste Band von „Frankreichs Einfluß auf und Beziehungen zu Deutschland 1517–1789“; 1856 folgte der zweite Band, und noch im selben Jahre das ebenfalls zweibändige Parallelwerk „Rußlands Einfluß auf und Beziehungen zu Deutschland 1689–1855“; beide Werke, nicht auf Quellenstudien, sondern auf fleißigster Litteraturbenutzung beruhend, wurden hervorgerufen durch das drückende Gefühl der Abhängigkeit des Vaterlandes vom Auslande, welches dem patriotisch gesinnten Verfasser die damalige Ohnmacht Deutschlands einflößte. 1847 war seine zweibändige „Geschichte der Jesuiten in Deutschland 1540–1773“ erschienen, mit welcher er den neuerwachten Sympathieen für die Gesellschaft Jesu in schärfster Weise entgegentrat. 1854 veröffentlichte er die „Geschichte der Entstehung und Ausbildung des Kirchenstaates, eine von der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen gekrönte Preisschrift, ein für den damaligen Stand der Forschung treffliches Werk. Es folgte 1861 die von der kaiserlichen [138] Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg preisgekrönte „Geschichte der Aufhebung der Leibeigenschaft und Hörigkeit in Europa bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts", eine auf gründlichen Studien beruhende und mit erstaunlichem Fleiße ausgeführte Arbeit. 1866–67 erschien in drei Bänden sein größtes Werk, die „Geschichte des deutschen Volks und seiner Cultur von den ersten Anfängen historischer Kunde bis zur Gegenwart“, welches freilich nur bis zum Ausgange des 15. Jahrhunderts gediehen ist. Die geschichtliche Anschauung des Verfassers und die Tendenz der Arbeit spricht die Vorrede zum ersten Bande scharf aus: der Ultramontanismus ist unser schlimmster Feind, die Herstellung der politischen Einheit unser dringendstes Bedürfniß, die unerläßliche Grundlage aller dauernden Freiheit; Oesterreich ist der Hort des Ultramontanismus, Preußen das Bollwerk des Protestantismus, daher ist die endgültige Lösung der deutschen Frage durch die Ereignisse des Jahres 1866 als eine hocherfreuliche Erlösung zu betrachten. Die breit angelegte „Geschichte des deutschen Volkes“ beruht nicht auf den Quellen, sondern auf der bisher erschienenen Litteratur, deren Forschungsergebnisse der Verfasser fleißig verwerthet hat. Die Darstellung ist eine lebendige und frische, läßt aber allzu aufdringlich die subjectiven Anschauungen des Verfassers in den Vordergrund treten und erinnert so lebhaft an die Art der Schlosser’schen und besonders Rotteck’schen Arbeit. Das Werk nimmt bei allen Mängeln unter den zahlreichen „Deutschen Geschichten“ seiner Zeit eine hervorragende Stelle ein. 1872 veröffentlichte S. seine „Aufsätze und biographischen Skizzen zur französischen Geschichte“, frisch und interessant geschriebene Studien aus den Zeiten Ludwig’s XIV. und Napoleon’s I., und 1874 seine letzte Schrift, „Deutschland im spanischen Erbfolge- und im großen nordischen Kriege 1700–1721“ in der Sammlung F. Herschel’s Deutsche Nationalbibliothek."
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