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Cosmographia/Weltbeschreibung, anno 1610, die ersten 12 Seiten,
[D 886]

Die ersten 12 Seiten von S. Münsters Cosmographia, die Weltbeschreibung, Erschaffung der Welt, Blattmaß: 33x22 cm., gebräunt, unten rechts fingerfleckig, diverse Ausrisse. Cosmographia hat unter anderen Sebastian Münster (1488–1552) sein Hauptwerk auf dem Gebiet der Kosmographie genannt. Es war die erste wissenschaftliche und zugleich allgemeinverständliche Beschreibung des Wissens der Welt in deutscher Sprache, worin die Grundlagen aus Geschichte und Geographie, Astronomie und Naturwissenschaften, Landes- und Volkskunde nach dem damaligen Wissensstand zusammengefasst worden sind. Der Titel Cosmographia ist die lateinische Form des griechischen "kosmographía" (Weltbeschreibung), hergeleitet von "kósmos" (Erde, Weltall) und "gráphein" (beschreiben). Unter Kosmographie versteht man die Wissenschaft von der Beschreibung der Erde und des Weltalls; bis ins Spätmittelalter gehörten dazu auch Geologie, Geographie und Astronomie, (Kosmologie des Mittelalters). Zur Reihe der berühmten Kosmographen der Renaissance: Leonardo da Vinci, Martin Behaim, Vincenzo Maria Coronelli, Petrus Apianus, Gerhard Mercator und Martin Waldseemüller gehörte auch Sebastian Münster. Nach seinen Studien in Theologie, Griechisch, Hebräisch, Mathematik, Geographie, Kosmographie und Astronomie war Sebastian Münster unter anderem von 1521 bis 1529 als Hochschullehrer in Heidelberg tätig. Bereits zu dieser Zeit (1524) regte der elsässische Humanist Beatus Rhenanus (1485-1547) an, Sebastian Münster solle sein Wissen in dem Gesamtwerk einer Kosmographie zusammenfassen. Aber erst in der Zeit seiner Hochschultätigkeit in Basel (ab 1529) und nachdem er durch seine Heirat mit Anna Selber, der Witwe des Basler Buchdruckers Adam Petri, von Alltagssorgen befreit war, konnte er sich diesem großen Vorhaben und seiner Begeisterung für die Geographie intensiv widmen. So entstand in einer Vorbereitungszeit von etwa zwanzig Jahren seine Cosmographia, an der nach eigener Darlegung mehr als 120 "Standespersonen, Gelehrte und Künstler" mit gearbeitet hatten. Ungefährlich war die Sammlung und Recherche über andere Städte, Länder und Sitten nicht. Der Theologe Sigismondo Arquer beispielsweise klagte in seiner Reisebeschreibung Sardiniens, die er Münster für die Cosmographia zur Verfügung gestellt hatte, über die Intoleranz und Gier der Kirche. Nachdem seine Schrift auf italienisch übersetzt worden war, musste er sich vor der Inquisition rechtfertigen und wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 1544 erschien die erste Ausgabe der Cosmographia, gedruckt in der Offizin von Heinrich Petri in Basel. Heinrich Petri war ein Sohn aus der ersten Ehe seiner Frau mit dem Basler Buchdrucker Adam Petri. Das deutschsprachige Werk enthält in sechs Büchern "eine Beschreibung der ganzen Welt mit allem, was darinnen ist". Die ersten Ausgaben von 1544 bis 1548 und auch wieder die Ausgaben von 1615 bis 1628 tragen den lateinischen Titel Cosmographia, während in den Ausgaben von 1550 bis 1614 der deutsche Titel Cosmographei oder Cosmographey benutzt wird. Der vollständige Titel der ersten Ausgabe von 1544 lautet: "Cosmographia. Beschreibung aller Lender durch Sebastianum Munsterum, in welcher begriffen Aller völcker, Herrschafften, Stetten und namhafftiger flecken, herkommen: Sitten, gebreüch, ordnung, glauben, secten vnd hantierung, durch die gantze welt, vnd fürnemlich Teutscher nation. Was auch besunders in iedem landt gefunden, vnnd darin beschehen sey. Alles mit figuren vnd schönen landt taflen erklert, vnd für augen gestelt." Im ersten Buch werden die Grundzüge der physischen und mathematisch-astronomischen Erdkunde dargestellt; in den folgenden Büchern sind Länderbeschreibungen enthalten, und zwar Süd- und Westeuropa (2. Buch), Deutschland (3. Buch), Nord- und Osteuropa (4. Buch), Asien und die neuen Inseln (5. Buch) sowie Afrika (6. Buch). Sein Wissen bezog Sebastian Münster aus den Reiseberichten und Erzählungen verschiedener Gelehrter, Geographen, Kartographen und von Seereisenden. Er zog auch literarische Werke heran, die mehr oder minder glaubwürdig waren. Marco Polo zählte ebenso zu seinen Quellen, wie beispielsweise der Bericht des (fiktiven) Ritters Jehan de Mandeville über Indien und China, der 1356 in Lüttich erschienen war. So beschrieb Münster nach und nach auch eine fabelhafte Welt, in der die seltsamsten Geschöpfe vorkommen, wie beispielsweise Menschen mit Hundeköpfen, Großfüßler, Blemmyer, Doppelköpfige sowie sagenhafte Tiere und Seeungeheuer. Die meisten dieser Geschöpfe sind auf Holzschnitten in der Cosmographia abgebildet. Münster musste die ihm zugehenden Erzählungen ihrer Glaubwürdigkeit nach aussortieren und kritisch betrachten, was er als Weltbeschreibung gelten lassen wollte. Auf diese Weise leidet beispielsweise auch der Bericht über die Größe der Pyramiden in Ägypten, in Münsters Darstellung werden sie beträchtlich kleiner beschrieben. Begleitet werden die Berichte aus den damals bekannten Kontinenten und Ländern von zahlreichen, von Münsters selbst gezeichneten Karten. Die Weltkarte, die Münster 1532 bereits für die Cosmographia gezeichnet hatte, deutete den neuen amerikanischen Kontinent 40 Jahre nach seiner Entdeckung nur am Rande an, und ist, zehn Jahre nach der Weltumsegelung durch Ferdinand Magellan, von der Realität weit entfernt. Verbreitung [Bearbeiten] Das Werk wurde in viele Sprachen übersetzt und erlebte zahlreiche neue Ausgaben. Nach der ersten Ausgabe von 1544 folgten 1545 die zweite, 1546 die dritte, 1548 die vierte und 1550 die fünfte Ausgabe, jeweils durch neue Berichte und Details, Textbilder, Stadtansichten und Karten ergänzt sowie insgesamt überarbeitet. Während die erste Ausgabe von 1544 nur 660 Seiten stark war, enthielt die letzte von Münster persönlich im Jahr 1550 überarbeitete Ausgabe bereits 900 Seiten und die letzte überhaupt gedruckte Ausgabe von 1628 fast 1.800 Seiten. In der Offizin der Familie Petri in Basel entstanden auf diese Weise in 84 Jahren etwa 50.000 Exemplare in deutscher Sprache und etwa 10.000 Exemplare in lateinischer Sprache. Unter den insgesamt 46 Ausgaben waren 27 deutsche, acht lateinische, drei französische, drei italienische und vier englische Bearbeitungen sowie eine tschechische Ausgabe. Damit war die Cosmographia neben der Bibel zu dem am meisten gelesenen Buch in Deutschland geworden. Die Kosten für ein gebundenes Werk beliefen sich bei der 5. Ausgabe auf 2 Gulden, wovon etwa 0,4 Gulden auf die Buchhändler entfielen. Bedeutung der Cosmographia [Bearbeiten] Sebastian Münster hat mit der Cosmographia erstmals ein "Gemeinschaftswerk von gelehrten Geschichtsschreibern und Künstlern, von Verlegern, Holzschneidern und Stechern" herausgegeben, das Stadtansichten enthält, die nach der Natur gezeichnet oder zumindest nach realitätsnahen Vorbildern in Holz geschnitten worden sind. Er hat das für ihn erreichbare Wissen seiner Zeit in einem Buch zusammengefasst und mit einfachen Bildern versehen, die das Verständnis erleichtern sollten. Mit den Ausgaben der Cosmographia ist quantitativ und qualitativ auch ein neuer Maßstab für die Ausstattung von Städtebüchern gesetzt worden. Von der ersten Auflage an hat Sebastian Münster der Cosmographia einen Widmungsbrief an den schwedischen König Gustav I. Ericson Wasa beigefügt, datiert „Basel am 17. August 1544“, ohne dass seine Motive hierfür ermittelt werden konnten. In der Einleitung zu einem seiner Bücher schreibt Münster bescheiden, aber durchaus selbstbewusst: „Für meine Arbeit erwarte ich weder Lohn noch Ehre, vielmehr genügt mir das Bewusstsein, mit den Pfunden gewuchert zu haben, die Gott mir verlieh“. Am Ende des Werkes bittet er den Leser, wegen etwa vorkommender Fehler oder abweichender Meinungen nicht das ganze Werk abzulehnen, sondern zu bedenken, dass es unmöglich sei, jedermann zu Gefallen zu schreiben. Vorlagenzeichner und Stecher [Bearbeiten] Zu den bekanntesten Zeichnern der Stadtansichten, die durch ihre Monogramme bestimmt werden konnten, gehören: * Hans Rudolf Manuel Deutsch (1525–1571) mit dem Monogramm HRMD, RMD oder RM in Ligatur; * Jakob Clauser oder Klauser (1520–1578) mit dem Monogramm IC oder IK, auch in Ligatur; * David Kandel (um 1538–1587) mit dem Monogramm DK, auch in Ligatur vorkommend; * Monogrammist HSD, von dem angenommen wird, dass er aus Worms stammt. Die bekanntesten Formschneider, die an der Cosmographia mitgewirkt haben, sind: * Christoph Stimmer (oder Christoff Schwytzer?), seit 1550 Formschneider in Strassburg, mit dem Zeichen -C.S.-; * Heinrich Holzmüller, um 1550 Goldschmied und Formschneider in Bern und Basel, mit dem Zeichen HH oder HHF; * Hieronymus Wyssenbach Basiliensis, Formschneider in Basel, mit dem Zeichen HWB; * Martin Hoffmann, Formschneider in Strassburg, mit dem Zeichen MH oder MHF; * Meister HIW, der den Holzschnitt von Strassburg geschnitten hat; * Meister M.G., der u.a. den Holzschnitt von Amberg gefertigt hat; * Gregorius Sickinger (um 1558–1631), Maler, Zeichner, Formschneider, Radierer und Kupferstecher aus Solothurn, mit dem Zeichen GS; er soll ab 1578 bei den Ausgaben der Cosmographia als Formschneider mitgearbeitet haben. Literatur [Bearbeiten] * Viktor Hantzsch: Sebastian Münster – Leben, Werk, wissenschaftliche Bedeutung. Leipzig 1898 und Reprint B. de Graaf 1965. * Karl Heinz Burmeister: Sebastian Münster – Eine Bibliographie. Wiesbaden 1964. * Peter H. Meurer: Der neue Kartensatz von 1588 in der Kosmographie Sebastian Münsters. In: Cartographica Helvetica Heft 7 (1993) S. 11–20 Volltext * Hans Georg Wehrens: Freiburg in der "Cosmographia" von Sebastian Münster. In: Freiburg 1504–1803, Holzschnitte und Kupferstiche. Freiburg: Herder, 2004. S. 34 ff. ISBN 3-451-20633-1. * Günther Wessel: Von einem, der daheim blieb, die Welt zu entdecken – Die Cosmographia des Sebastian Münster oder Wie man sich vor 500 Jahren die Welt vorstellte. Frankfurt: Campus, 2004. ISBN 3-593-37198-7.
Cosmographia/Weltbeschreibung, anno 1610, die ersten 12 Seiten, by Münster Sebastian, 1488-1552,Cos
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